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Allgemeine und spezielle Informationen

–  Allgemeine Informationen  –


   Die Pilzarten und ihre Namen   Info–Index     · 

 Pilzart & Taxon   ·   Wissenschaftliche Namen   ·   Trivialnamen 

Eigenständige Pilzart

Unter einer  A r t,  auch  Spezies  ( Species, spec. sp. ) genannt, versteht man auch in Bezug auf Pilze eine naturgegebene Einheit mit der Konstanz von Merkmalen, mit genetischer oder auch anderweitiger Isolierung und mit der Selbständigkeit eines Verbreitungsgebietes.

In der Praxis ist es nicht immer leicht zu entscheiden, ob der beschriebene Pilz den genannten Kriterien entspricht und somit als eine eigenständige Art bewertet werden kann. Heute neigen die Spezialisten unter den Mykologen dazu, eine bereits bestehende Art weiter zu unterteilen in Unterarten ( subspecies, subsp., ssp. ), Varietäten ( var. ), Formen ( f. ) und Rassen.

Die Pilzart und ihr Taxon

Ist für einen Pilz seine Art bestimmt, dann liegt auch seine Stellung in der Systematik der Pilze fest. Die einzelnen  systematischen Einheiten,  auch als  Taxa  ( Singular Taxon ) bezeichnet, haben eine genau festgelegte Rangstufe. Dabei werden in den höheren Taxa diese Rangstufen durch bestimmte Endungen kenntlich gemacht ( in der folgenden Grafik in Klammern gesetzt ).

Es folgt eine vereinfachte Darstellung der  Systematik für das Reich der Pilze ( Fungi ).  Auf eine weitere Untergliederung, wie sie für wissenschaftliche Zwecke erforderlich ist, sowie auf die Angabe von Unterart, Varietät und Form wurde bewusst verzichtet. Die jeweils hinzugefügten drei Punkte bedeuten, dass in jeder Rangstufe weitere Einträge existieren.

 Reich   ( regnum )  z.B.: Fungi = Pilze

 Abteilung   ( –mycota )  z.B.: Basidiomycota

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 Klasse   ( –mycetes )  z.B.: Agaricomycetes

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 Ordnung   ( –ales )  z.B.: Agaricales

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 Familie   ( –aceae )  z.B.: Agaricaceae

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 Gattung   z.B.: Agaricus

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 A r t   z.B.: Agaricus arvensis

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Eine solche Systematik hat die Aufgabe, eine übersichtliche Ordnung zu schaffen. Sie erleichtert das Zurechtfinden in wissenschaftlichen Arbeiten, in Registern usw. Die Systematik auf unserer Webseite folgt in enger Anlehnung an die im Rahmen des Projekts „Assembling the Fungal Tree of Life” im Jahre 2007 veröffentlichten Version, die von mehr als 60 international anerkannten Wissenschaftlern erarbeitet wurde.

Der wissenschaftliche Name einer Pilzart

Die  wissenschaftliche Namensgebung  und damit der  gültige Name  einer Pilzart spiegelt die Eigenschaften dieser Art und damit deren Stellung in der Systematik der Pilze wider. Doch ist dies bei vielen Hobbymykologen und Mykophilatelisten ein höchst unverständliches Verfahren. Dies nicht zuletzt auch deswegen, weil in zeitlich unterschiedlich veröffentlichten Pilzbüchern für die gleiche Art nicht selten unterschiedliche Namen erscheinen. Wenn dann den Pilznamen noch Namen von Autoren und Jahreszahlen zieren, und wenn darüberhinaus von Patronymen, Tautonymen, Synonymen und Homonymen die Rede ist, dann ist die Verwirrung völlig komplett.

So kann schnell der Eindruck entstehen, dass hierbei reine Willkür herrscht. In Wahrheit richtet sich die Namensgebung der Pilze jedoch nach  internationalen Regeln,  die im „Internationalen Code der botanischen Nomenklatur” zusammengefasst sind. Nachlesen kann man darüber z.B. bei Wikipedia unter dem Begriff     Internationaler Code der botanischen Nomenklatur.

Einige wesentliche Punkte seien hier genannt:

  • Für die wissenschaftlichen Namen der Pilze werden  lateinische Bezeichnungen  verwendet. Neben klassischem Latein ist dabei auch mittelalterliches Kirchenlatein und latinisiertes Griechisch üblich; Näheres dazu im Beitrag „Glossar zu den wissenschaftlichen Pilznamen”.
  • Jeder Name besteht aus zwei obligatorischen Teilen ( binäre Nomenklatur ) und wird durch Zusätze ergänzt. Dabei kennzeichnet  der erste Teil die Gattung  und  der zweite Teil die Art.  Mögliche Zusätze sind der Name des Erstbeschreibenden ( meist abgekürzt ), das Jahr der Veröffentlichung u.a. Sehr häufig werden diese Zusätze jedoch weggelassen, was zwar die Handhabung der Pilznamen vereinfacht, streng genommen aber nicht korrekt ist. Beispiele:
        –  Amanita rubescens (Pers. 1797: Fr. 1821) Gray   ––>   Amanita rubescens
        –  Boletus erythropus (Fr.: Fr.)  Persoon                 ––>   Boletus erythropus
  • Bei den sog.  Patronymen  erscheint der Name verdienstvoller Mykologen entweder in der Gattungs– oder in der Artbezeichnung. Beispiele:
        –  Kuehneromyces mutabilis  ( Kühner, ein französischer Mykologe )
        –  Leucoagaricus bresadolae ( Bresadola, ein italienischer Mykologe )
  • Bei den sog.  Tautonymen  stimmen Gattungs– und Artbezeichnung überein. Dies ist aber in der Mykologie ( und in der Botanik ) NICHT zulässig, im Gegensatz zur Zoologie.
  • Bei den sog.  Synonymen  existieren mehrere Pilznamen für die gleiche Pilzart. In diesem Fall ist der älteste, den Regeln entsprechende und wirksam veröffentlichte Name der korrekte Name.
  • Bei den sog.  Homonymen  handelt es sich dagegen um gleich lautende ältere Namen für bereits beschriebene unterschiedliche Gattungen bzw. unterschiedliche Arten derselben Gattung.

Synonyme und Homonyme spiegeln die Entwicklung der Kenntnisse über die Pilze und über die Geschichte ihrer Systematisierung wider. Bei einer unkritischen und/oder einer unsachgemäßen Verwendung sind sie allerdings eine der häufigsten Ursachen für die weiter oben genannten Schwierigkeiten.

Auf unserer Website richten wir uns bezüglich der wissenschaftlichen Namensgebung und bei der Einordnung der Pilzarten in die Systematik der Pilze ausschließlich nach den Angaben im   Index Fungorum, der im Internet jedermann zur Verfügung steht, und der von namhaften Mykologen der ganzen Welt nach dem neuestem Erkenntnisstand bearbeitet wird. Der „Index Fungorum” ist jedoch keine statische Angelegenheit; vielmehr wird dieser beim Vorliegen neuer Erkenntnisse über eine Pilzart und ihre Einordnung in die Systematik der Pilze aktualisiert.

Als erster  Stichtag  für unser Projekt gilt der  01.08.2010 , d.h. für die Pilzarten, die bis dahin in das Projekt eingearbeitet worden sind, werden die zu diesem Zeitpunkt im „Index Fungorum” stehenden Bezeichnungen verwendet. Danach erfolgte Namensänderung bleiben dann zunächst unberücksichtigt – bis zur Festlegung eines neuen Stichtages. Jedoch werden für alle nach diesem Stichtag in das Projekt aufgenommenen Pilzarten die zum Zeitpunkt der Aufnahme im „Index Fungorum” stehenden Bezeichnungen verwendet.

Seit dem 01.08.2010 sind mehr als drei Jahre vergangen. Auf Grund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse haben sich die wissenschaftlichen Namen zahlreicher Pilzarten geändert, so dass eine Überarbeitung der wissenschaftlichen Namen der in der Mykothek auftretenden Pilzarten notwendig wurde. Als  neuer Stichtag  wird der  01.08.2013  eingeführt, für welchen die gleichen Festlegungen wie für den bisherigen Stichtag gelten.

Auf den Vorschau–Seiten der Sammelgebiete befindet sich jeweils ein Link  Korrekturen,  über den in der Regel eine Liste aufrufbar ist, die eventuelle Fehler oder Defizite bei den Pilznamen auf den Druckobjekten mit den entsprechenden Korrekturen enthält.

Als Beitrag zum Verstehen und zum leichteren Einprägen der wissenschaftlichen Namen der Pilze ist über den Link  Glossar zu den wissenschaftlichen Pilznamen  unter „Info–Index” eine Liste aufrufbar, welche die bei der Namensgebung verwendeten lateinischen und griechischen Wortwurzeln mit ihrer deutschen Bedeutung auflistet.

Die Trivialamen einer Pilzart

In der Regel kennen die Menschen, die sich weder aus beruflichen Gründen noch ihres Hobbys wegen mit Pilzen befassen, die wissenschaftlichen Namen der Pilze nicht. Es werden vielmehr sog.  Trivialnamen,  oder die Situation eigentlich besser beschreibend,  landestypische Namen  verwendet. Landestypisch deshalb, weil diese Namen für ein und dieselbe Pilzart von Land zu Land verschieden sind, ja sogar von Region zu Region innerhalb eines Landes verschieden sein können.

Ein Beispiel soll dies verdeutlichen:

  •  Wissenschaftlicher Name: 
     Boletus edulis
  •  Einige ausländische Trivialnamen: 
     belij grib, boleto comestible, borowik szlachetny, calabaza, cep, cèpe comestible,
     eekhoorntjes brood, herkkutatti, hongo blanco, řib, ízletes varganya, king bolete,
     nobla boleto, penny bun, porcino, rodellón, stensopp
  •  Einige deutsche Trivialnamen: 
     Doberling, Doberniggl, Herrenpilz, echter Steinpilz, Fichten-Steinpilz,
     gemeiner Steinpilz, Steinpilz

Hinzu kommt, dass bei vielen Menschen die Kenntnisse über Pilze häufig nicht sehr ausgeprägt sind. Dies führt dazu, dass für verwandte und ähnlich aussehende Pilzarten inkorrekterweise der gleiche Trivialname verwendet wird.

Auch hierzu ein Beispiel:

  •  Deutscher Trivialname: 
     Steinpilz
  •  Einige damit bezeichnete Pilzarten: 
     Boletus aereus, Boletus reticulatus, Boletus appendiculatus, Boletus betulicola,
     Boletus edulis, Boletus pinophilus

Ursachen für diese Phänomene sind u.a. die Unterschiedlichkeit der einzelnen Sprachen, die historisch gewachsene Bezeichnungen, mangelnde Kenntnisse über Pilze im Allgemeinen und über deren wissenschaftliche Namen im Speziellen.

Auf unserer Website wird zu jeder Pilzart außer dem gültigen wissenschaftlichen Namen auch  genau ein Trivialname  angegeben. Dabei wird folgendermaßen verfahren:

  • Gibt es nur einen einzigen deutschen Trivialnamen, so wird natürlich dieser verwendet.
  • Existieren jedoch mehrere deutsche Trivialnamen, so wird für die in Europa vorkommenden Pilzarten derjenige bevorzugt, der im Abbildungsverzeichnis des Werkes „Europäische Großpilze” angegeben ist; dieses Verzeichnis wurde in der 4. Auflage zuletzt 2007 von der „Schwarzwälder Pilzlehrschau” in Hornberg herausgegeben.
  • Gibt es dagegen keinen deutschen Trivialnamen, dann wird nach Möglichkeit dafür ein ausländischer Trivialname angegeben, in folgender sprachlichen Reihenfolge: englisch, französisch, holländisch, spanisch, sonstige Sprachen; dieser Trivialname wird jeweils in eckige Klammern gesetzt.
  • Ist jedoch weder ein deutscher noch ein ausländischer Trivialname bekannt, dann wird an Stelle eines Trivialnamens der Hinweis  Trivialname unbekannt  verwendet.